Antseranantsoa liegt ungefähr 500m vom zentralen Markt Miarinarivos entfernt, alle Schulen der Stadt sind bequem zu Fuß erreichbar. Das Gelände liegt an einem leichten Hang und bietet Platz für einen Speisesaal, das Schlafgebäude, ein Wirtschaftsgebäude, ein Wärterhaus, Ställe und einen Sportplatz. Auf dem insgesamt knapp drei Hektar großen Grundstück sind Kräuter- und Gemüsegärten, Ananasfelder, Obstbaumwiesen und Reisfelder angelegt.

Architektur – Die städteplanerische Gestaltung nimmt den Gedanken des „sicheren Hafens“ auf. Das Ensemble der Gebäude (Wohnhaus, Speisesaal, Wirtschaftsgebäude und Schlaf- und Wohngebäude) entlang des Hauptweges in Form eines „L“ schließt die Anlage gegen die Nachbargrundstücke ab und öffnet sich zu einem zentralen Garten hin, der zum Spielen und Verweilen einlädt. So wirkt das Zentrum offen und bekommt einen dörflichen Charakter. Die Verarbeitung lokaler Baumaterialien zu einer zukunftsweisenden Architektur strahlt den Grundgedanke des Zentrums, ausgehend von madagassischen Grundwerten Fortschritt zu vermitteln, aus. Die Bauarbeiten wurden von lokalen Arbeitskräften und ohne Zuhilfenahme von Strom auf der Baustelle durchgeführt. Die Gebäude sind zyklonensicher konstruiert. Sowohl die offene Bauweise des Saales als auch die Ausrichtung der Gebäude zur Sonne sorgt für gute Ausleuchtung. Das Nach Norden geneigte Dach des Schlafgebäudes bietet optimale Möglichkeiten zur Nutzung von Sonnenenergie.
Die Schlaftrakte für die Jungen finden sich in der unteren Etage des Schlafgebäudes, während die Zimmer der Mädchen im ersten Stock liegen. In je 6 Zimmern mit 3 Stockbetten bieten sie je 36 Schülerinnen und Schülern Platz. Beide Etagen werden von einem beidseitig offenen, hellen Flur durchzogen, der die Schlafzimmer vom Sanitärblock trennt. Alle Schlafzimmer haben Blick auf den Garten und sind durch die Ausrichtung nach Norden den ganzen Tag durch Sonnenlicht erhellt. Vor dem Eingang zu den Schlaftrakten liegen jeweils die Zimmer der Erzieher mit Blick auf den Eingangsbereich bzw. das Treppenhaus. Notausgänge ermöglichen das schnelle Verlassen des Gebäudes im Gefahrenfall.
Das Schlafgebäude
Der Saal gleicht eher einem überdachten Dorfplatz oder einer Markthalle als einem geschlossenen Raum. Er kann durch große Flügeltore geschlossen werden, die tagsüber aufgestellt sind und dann den Saal um eine großzügige Terrasse mit Blick auf den Garten erweitern. Die Bibliothek bietet einen kleinen, ruhigen, dem Treiben des Saales abgewandten Raum. Davor lädt eine überdachte Terrasse zum Lesen ein.
Im Wirtschaftsgebäude sind die Küche mit Speisekammer, eine Lehrwerkstatt, ein Wäschespeicher und Gästetoiletten untergebracht. Ein überdachter Zwischenhof bietet Waschmöglichkeiten und Raum für vielseitige Nutzung.
Der Saal
Energie- und Wasserversorgung
Die Energieversorgung des Heimes wird, wo irgend möglich, über erneuerbare Energien sichergestellt. Der enorme Energiebedarf der madagassischen Bevölkerung, vor allem von Holzkohle zur Zubereitung von Reismahlzeiten, bedroht die verbliebenen Reste der wertvollen Primärwälder. Indem die Schüler erneuerbare Energiequellen „erleben“, bekommen sie ein Bewusstsein für den Wert von Ressourcen und lernen Lösungsansätze kennen.
Die Beleuchtung des Zentrums wird durch zwei kleine, getrennte Solaranlagen sichergestellt. In Gleichstromnetzen versorgen Sie die Beleuchtung von Schlafgebäude, Saal und Wirtschaftsgebäude. Dadurch ist das Zentrum auch unabhängig von den besonders in der Regenzeit häufig auftretenden Stromausfällen, die unsere Schüler vielfach daran hinderten nach der Ganztagesschule ihre Hausaufgaben zu machen.
Die Wassernutzung wird von einer Windpumpe sichergestellt. Sie pumpt Wasser aus einem Brunnen in eine Zisterne unter dem Dach des Schlafgebäudes von wo aus es per Schwerkraft an alle Verbraucher weitergeleitet wird (blauer Kreislauf im Bild). Das bereits genutzte Wasser wird gesammelt und vorgereinigt, daraufhin wird das Grauwasser von der selben Windpumpe in eine weitere Zisterne gepumpt (grüner Kreislauf) und den Klospülungen zugeleitet. Auf diese Weise kann der Frischwasserverbrauch nahezu halbiert werden.
Dank der Solarkocher des deutsch-madagassischen Bildungszentrums Soltec, die in Antseranantsoa eingesetzt werden, können wir bei gutem Wetter die Mahlzeiten dank Sonnenkraft zubereiten. Die Kocher sind nicht nur umweltfreundlich sondern schonen auch die Gesundheit der Köche, die bei der Verwendung von Holzkohle durch den entstehenden Rauch gefährdet wird.
Ein solarer Wassererhitzer mit wärmegedämmtem 300l Reservoir versorgt die Küche mit heißem Wasser. So wird beim Kochen deutlich weniger Energie benötigt. Das ist vor allem dann sehr hilfreich, wenn die Solarkocher, wie zum Beispiel für die Zubereitung der Morgenmahlzeiten nicht verwendet werden können.

Deutsch-Madagassischer Verein e.V.
www.dmve.de/The Solar Cooking Archive
www.solarcooking.org
von oben nach unten: Windpumpe, solarer Wassererhitzer und Solarkocher

